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Minergie «Netto-Null»: Vom Effizienzstandard zur Klimabilanz von Gebäuden

Veröffentlicht am: 20.03.2026

Mit der Einführung des Labels «Minergie Netto-Null» erweitert der Minergie-Verein sein bestehendes System um eine neue Perspektive auf Gebäude. Während bisher vor allem die Energieeffizienz und der Betrieb im Vordergrund standen, rückt nun die Treibhausgasbilanz über den gesamten Lebenszyklus in den Fokus (60 Jahre).


Damit verändert sich die Betrachtungsweise grundlegend: Gebäude werden nicht mehr ausschliesslich anhand ihres Energieverbrauchs im Betrieb beurteilt, sondern anhand ihrer gesamten CO₂-Emissionen – von der Erstellung über die Nutzung bis hin zum Rückbau.


Zentral ist dabei das Verständnis von «Netto-Null»: Es geht nicht darum, dass keine Emissionen entstehen, sondern dass sich Emissionen und sogenannte Negativemissionen über den Lebenszyklus hinweg ausgleichen. Der Ansatz folgt einer klaren Priorität: Emissionen sollen zunächst konsequent vermieden und reduziert werden. Erst die verbleibenden, nicht vermeidbaren Emissionen werden anschliessend kompensiert.


Diese Logik zeigt auch, dass «Netto-Null» kein rein technisches Ziel ist, sondern stark von Annahmen, Systemgrenzen und der Qualität der Kompensation abhängt. Entsprechend wird der Umgang mit Themen wie grauen Emissionen, Materialwahl oder Carbon Removal zunehmend zentral diskutiert – auch im aktuellen Fachdiskurs.


Die Entwicklung ist dabei Teil eines übergeordneten Trends im Bauwesen: Die Anforderungen verschieben sich von der reinen Energieeffizienz hin zu einer ganzheitlichen Klimabilanzierung. Aspekte wie Materialisierung, graue Energie und langfristige Emissionswirkungen gewinnen weiter an Bedeutung.


Mit «Minergie Netto-Null» wird dieser Anspruch erstmals in einem klar strukturierten Label abgebildet. Für Bauherrschaften und Planende bedeutet dies einerseits eine präzisere Orientierung, andererseits aber auch steigende Anforderungen an Planung, Nachweisführung und Umsetzung.


Gleichzeitig wird sich in der Praxis zeigen müssen, wie sich das Zusammenspiel von Reduktion, Speicherung und Kompensation bewährt – und wo die Grenzen des Ansatzes liegen.


Link: Minergie-Netto-Null