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Sommerlicher Wärmeschutz: Wenn Normerfüllung allein nicht reicht

Veröffentlicht am: 04.11.2026

Grosse Fensterflächen sorgen für helle Räume und viel Tageslicht. Im Sommer können sie jedoch zur Herausforderung werden: Hohe solare Wärmeeinträge, geringe Speichermassen und eine ungenügende Nachtauskühlung können dazu führen, dass sich Innenräume stark erwärmen.

 

Die Zahl der Hitzetage nimmt langfristig zu. Auch der Sommer 2026 hat erneut gezeigt, welche Belastung längere Hitzeperioden für Gebäude und deren Nutzer darstellen können. Damit gewinnt der sommerliche Wärmeschutz weiter an Bedeutung. Gleichzeitig haben sich auch die Anforderungen an den thermischen Komfort von Gebäuden weiterentwickelt.

 

Das zeigt sich besonders bei Bestandsbauten. Ein Gebäude, das vor rund 20 Jahren unter den damals geltenden Rahmenbedingungen geplant wurde, trifft heute auf eine weiterentwickelte Normengrundlage und veränderte klimatische Bedingungen.


A) Wenn es im Schulzimmer zu warm wird


Ein konkretes Beispiel dafür ist das Primarschulhaus Thalheim-Gütighausen. Die süd- und südostorientierten Schulzimmer verfügen über grosse Fensterflächen und entsprechend gute Tageslichtverhältnisse. Gleichzeitig führen die solaren Wärmegewinne zusammen mit der vergleichsweise geringen Wärmespeicherfähigkeit im Sommer zu hohen Raumtemperaturen.

 

Der betreffende Schulzimmertrakt wurde in den 2000er-Jahren erstellt. Seither wurden die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz und die thermische Behaglichkeit weiterentwickelt. Mit der SIA 180:2014 erhielt insbesondere der sommerliche Wärmeschutz ein deutlich stärkeres Gewicht.

 

Die Primarschule beauftragte uns deshalb im Rahmen der SIA-Phase 2 «Vorstudien», die bestehende Situation zu untersuchen und mögliche Optimierungsmassnahmen aufzuzeigen. Dabei ging es bewusst noch nicht darum, vorschnell eine bestimmte Lösung umzusetzen. Zuerst wollten wir verstehen: Woher kommt die Überhitzung, welche Massnahmen wirken und welche Lösung ist technisch wie wirtschaftlich sinnvoll?


B) Simulation statt Bauchgefühl


Dazu wurde der Ist-Zustand mittels eines dynamischen Verfahrens gemäss Norm SIA 380/2:2022 und EN 52016-1:2017 untersucht und bewertet. Zusätzlich wurden die Resultate anhand der Minergie-Kriterien plausibilisiert. Für das betrachtete Schulzimmer ergaben die Berechnungen mit bestehender Abluftanlage eine maximale Raumtemperatur von 31,7 °C sowie 158 Überhitzungsstunden pro Jahr. Ohne Abluftanlage stieg die Zahl sogar auf 664 Stunden.


Die Resultate zeigen damit deutlich: Unter den heute angewendeten Anforderungen an den sommerlichen Komfort besteht Handlungsbedarf. Das bedeutet nicht, dass das Gebäude bei seiner Erstellung falsch geplant wurde. Vielmehr haben sich Normen, Anforderungen und klimatische Rahmenbedingungen seitdem verändert.


C) Welche Massnahme bringt tatsächlich etwas?


Auf den ersten Blick scheint die Lösung naheliegend: weniger solare Wärme ins Gebäude lassen. Beispielsweise durch eine bessere Verglasung oder einen optimierten Sonnenschutz. Die Simulationen zeigten jedoch schnell: Eine einzelne Massnahme kann die Situation deutlich verbessern, löst die Überhitzungsproblematik aber nicht automatisch vollständig. Insbesondere bei Räumen ohne ausreichende Lüftungsmöglichkeiten blieb der sommerliche Komfort trotz Optimierungen ungenügend. Deshalb wurden verschiedene Varianten und deren Zusammenspiel untersucht: von der Verglasung über den Sonnenschutz bis hin zu Lüftung, Nachtauskühlung und Kühlung. Im Variantenstudium konnten wir aufzeigen, dass nicht die einzelne Massnahme entscheidend ist, sondern das Zusammenspiel des gesamten Systems.


Welche Lösung letztlich sinnvoll ist, hängt deshalb stark vom Gebäude, dessen Nutzung und den vorhandenen Rahmenbedingungen ab.


D) Früh analysieren, gezielt investieren


Genau hier liegt für Bauherrschaften der entscheidende Punkt, unabhängig davon, ob es sich um ein Schulhaus, ein Büro, ein Mehrfamilienhaus oder ein Einfamilienhaus handelt. Sommerlicher Wärmeschutz sollte nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Räume während der nächsten Hitzeperiode bereits überhitzen. Eine frühzeitige bauphysikalische Betrachtung hilft, Ursachen zu erkennen, Varianten miteinander zu vergleichen und Investitionen dort einzusetzen, wo sie tatsächlich Wirkung zeigen.


Unser Ansatz: zuerst verstehen, dann planen und erst danach investieren. So entstehen Lösungen, die nicht nur den nächsten Sommer überstehen, sondern auch langfristig funktionieren.